Sadomasochistisches Manifest, Text von 1990/1993/2008
 
Wer sind wir, was fordern wir?
Wir sind Sadomasochistinnen und Sadomasochisten, die sich in Aktionsgruppen und Initiativen in vielen Ländern zusammengeschlossen haben um für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung einzutreten.
 
Wir sind für die Selbstbestimmung aller Menschen und dazu gehöhrt unverzichtbar auch, daß jeder , der die Rechte anderer respektiert, seine eigene Form der Sexualität leben kann.
 
Niemand ist gezwungen, so zu leben oder zu lieben wie wir. Niemand ist gezwungen, unsere Bücher zu lesen, unsere Filme zu sehen oder unsere Feste zu besuchen. Dennoch wird unsere Kultur, wird die sexuelle Minderheit der Sadomasochistinnen und Sadomasochisten immer wieder durch Vorurteile diskriminiert und durch Gesetze kriminalisiert.
 
Wir sind weder Menschenverächter noch Psychopaten oder Kriminelle. Wir reden weder der Vergewaltigung das Wort noch der alltäglichen Gewalt gegen Frauen und Männer wie uns immer wieder aus Unkenntnis oder böser Absicht von dehnen unterstellt wird, die Sadomasochismus diskriminieren, verurteilen und difamieren.
 
In einigen Staaten Europas ist sadomasochistische Sexualität bis heute unter Strafe gestellt.In Grossbritanien wurden 1993 mehrere Schwule Sadomasochisten in letzter Instanz zu hohen Haftstrafen verurteilt, nur weil sie in gegenseitigem Einvernehmen sadomasochistische Liebe gelebt haben. Solche Vorurteilesbeladenen Willkürurteilen sind wir auch heute noch in vielen Teilen Europas (auch in der BR.Deutschland) ausgesetzt.
 
So wird bis Heute in Deutschland und anderen europäischen Staaten fast jede Form der "sexuellen Gewaltdarstellung" als strafbare Pornographie verfolgt. Unsere Bücher, unsere Filme werden als Jugendgefärdend indiziert oder als Gewaltponographie verboten und beschlagnahmt. Zum Teil werden sogar schärfere Gesetze gegen uns gefordert.(Persönlicher Nachtrag dazu von mir: Mir wurde im Jahr 2007 eine Haftstrafe von bis 5 Jahren und/oder 50.000 Euro Geldstrafe angedroht weil ich eine offene Homepage zum Thema Flagellantismus hatte)
 
Auch wir sind gegen Pornographie bei dehren Herstellung Straftaten wie Nötigung, Vergewaltigung oder sexueller Mißbrauch von Kindern begangen werden, aber wir verwahren uns gegen eine pauschale kriminalisierung  die unsere gesammte Kultur als Gewaltpornographie abstempelt. Wir fordern eine Neufassung aller Gesetzte in Europa mit dem Ziel, sodomasochistische Liebe und sexualität unter erwachsenen, selbstbestimmenden Menschen als Legitim anzusehen um so der ungerechtfertigten Kriminalisierung einhalt zu gebieten und ein Zeichen zu setzen für den Abbau der verschiedenen Formen von gesellschaftlicher Diskriminierung, denen wir ausgesetzt sind.
 
 
Sadomasochismus auf Grundlage des freien Willens und der Selbstbestimmung ist eine Form der persönlichen Sexualität die alle europäischen Verfassungen wie auch der Europäischen Menschenrechtskonvention garantieren.
 
 
Für mehrere Millionen Menschen in Europa ist dieses selbstverständliche Grundrecht unter Druck von Diskriminierung und Kriminalisierung eingeschränkt, vielen Menschen wird es völlig verwehrt.
(Arbeitsgemeinschaft SM & Öffendlichkeitsarbeit ev. 1990-2000)
 
 
Zehn Vorurteile über SM-ler
1-Sadomasochisten sind Krank
Wenn sich einer eine Grippe oder ähnliches einfängt stimmt das sogar, ansonsten sind wir Menschen wie alle anderen auch. Wir unterscheiden uns nur durch unsere sexuellen Vorlieben.
 
2-Sadomasochisten geniessen Schmerzen
Viele Sadomasochistinnen und Masochisten können Schmerz nichts abgewinnen. Unsere Spiele drehen sich um Macht, Unterwerfung und Demütigungen.
Wir lehnen jede Form von Gewalt im Sinne von Unterdrückung Schwächerer ab, aber es gibt Menschen, die Schmerz als Ausdruck selbstbestimmter Sexualität mögen.
 
3-Sadomasochismus ist Gewalt
Der Unterschied zwischen Gewalt und Gewaltdarstellung ist Sadomasochisten klarer als den meisten Filmkritikern.
Sadomasochismus hat mit Gewalt etwa so viel gemeinsam wie Schachspielen mit einem Massaker in Schule oder Büro.
Wenn ich mir Heute so einige Werbefilme im Fernsehen anschaue könnte ich bei manchen das Gefühl bekommen, die eigendliche Werbeaussage wäre: " Gewalt ist Geil".
 
4-Es gibt Sadisten und Masochisten, und eines ist häufiger als das andere
Je nach untersuchter Subcultur wird mal die eine, mal die andere Rolle als beliepter geschildert. Ein grosser Teil der Sadomasochisten fühlt sich aber auf beiden Seiten wohl.
 
5-Die Ursache für Sadomasochismus liegt in...
Über die Ursache des Sadomasochismus hat man bisher nicht sehr viel herausgefunden. Man kann allerdings sagen, das es die eine,alles erklährende Ursache, nicht gibt.Zum einen fallen die unterschiedlichen Prägungen, zum anderen die äusserlich ähnlichen Verhaltensweisen auf. Die Biographien und Erfahrungen von Sadomasochisten weisen keine Elemente auf, die allen gemeinsam währen.
 
6-Sadomasochisten finden nur schwer Partner
Sadomasochisten, die ihre Neigung geheimhalten, finden in der Tat nicht leicht Partner. In der Sadomasochistischen Subkultur dagegen findet auch jeder Top seinen Deckel. Hinderlich hier sind sicher, wie auch in der übrigen Gesellschaft, übermässige Schüchternheit. Man sollte nicht ausser Acht lassen, das die Partnersuche auch für Menschen mit gebräuchlichen sexuellen Vorlieben nicht einfach ist.
 
7-Es gibt nur wenig Masochistinnen
   Frauen spielen nur wegen des Geldes oder ihrem Partner zuliebe mit
Der Frauenanteil in heterosexuellen SM-Subkulturen liegt je nach Gruppe und Veranstaltung im Allgemeinen bei etwa einem Drittel. Wer sich im allgemeinen Umfeld  (beispielsweise in Discoteken) umsieht stellt fest, dass auch dort das Verhältniss etwa gleich ist
 
8-Sadomasochismus wird von abgestumpften Leuten praktiziert, die alles andere schon ausprobiert haben
Viele Sadomasochisten wissen schon sehr früh, oft schon vor der Pupertät, sehr genau, was sie wollen. Das hohe Durchschnittsalter mancher SM-Gruppen liegt daran, daß das Coming-Out noch vor wenigen Jahren wesendlich schwerer war als Heute und erst nach entsprechend langem Zögern stattfindet. Der übersättigte Lustmolch, der mit SM-Praktiken seine Impotenz zu beheben versucht, scheint zumindest eine Legende zu sein.
 
9-Sadomasochismus stellt einen Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags dar; Erfolgreiche Manager lassen sich nach Feierabend von der Domina erniedrigen - frustrierte kleine Männer geben zu Hause vor der Ehefrau den Herrn und Meister
Sadomasochistische Praktiken können diesen Ausgleich bieten, müssen sie aber nicht. Dominantes Auftreten im Alltag deutet keineswegs auf devotes sexuelles Verhalten hin. Man sieht den meisten Leuten nicht an, welche Seite sie beforzugen.
 
10-Im Laufe der Zeit werden Praktiken immer extremer und gefährlicher
Unausgelebte SM-Praktiken neigen wie alle sexuell stimulierenden Vorstellungen zu Abnutzungserscheinungen und müssen dann weiter ausgebaut werden. In der Praxis entdeckt man in SM-Beziehungen hin und wieder neue Spiele, die Spass machen, aber von Sucht nach immer extremeren Spielweisen kann nicht die Rede sein.
 
 
10 Vorurteile über Gruppen
1-Die kennen sich schon alle
Klar,keiner von dehnen war jemals zum ersten mal da. Zugestiegen ? Nein,hier geboren.
 
2-Ich bin mit dem Angebot nicht gemeint
Die haben sicher viel extremere Interessen als ich, ganz andere Interessen als ich.
Stimmt das? Nein, BDSM ist viel zu vielfälltig um es auf einen Nenner bringen zu können also sind auch die Vorlieben aller verschieden.
 
3-Das sind trübsehlige Selbsthilfegruppen
Es gibt trübsehlige Selbsthilfegruppen und andere. Sehen die Lesben und Schwulen beim CSD etwa wie trübsehlige Selbsthilfegruppen aus? Dennoch haben sie genau so angefangen.
 
4-Da treffen sich nur (bitte passendes Vorurteil einsetzen) Leute
SM-Ler sind genau so unterschiedlich wie auch alle anderen Menschen. Es gibt sie in hübsch und hässlich, jung und alt, sympatisch und unsympatisch, mit und ohne Heckspoiler.
 
5-Da treffen sich nur langweilige Pappnasen
   Sonst währen sie auf SM-Parties
Klar, und in Kneipen treffen sich nur Alkoholiker, sonst würden die Leute ja Tanzen gehen.
 
6-Was soll ich da ? Mit wildfremden Menschen über meine privaten Sexualpraktiken reden? Nein Danke
Wozu Abens mit Freunden in die Kneipe gehen wenn ich genau so gut zu Hause vor dem Fernseher sitzen und eine Flasche Wein trinken kann? Sicher ist trinken das wichtigste dieser Leute in den Kneipen und dort wird bestimmt auch über nichts anderes geredet.
 
7-Da bin ich Freiwild
So sehr sich das mancher wünschen würde, dem ist nicht so. Selbst als Frau wird Dir kaum mehr Aufmerksamkeit zuteil als beispielsweise bei einer Betriebsfeier. Und Dein "Nein Danke" wird dort mit Sicherheit ernst genommen.
 
8-SM-Gruppen sind nur für Anfänger
Und ins Schwimmbad geht man nur, um Schwimmen zu lernen
 
9-SM-Gruppen sind nur für erfahrene SM-Ler
Das ist kein Vorurteil sondern völlig korekt. Manche sind sogar schon länger als 4 Wochen dabei...
 
10-Dort hingehen ist das totale Outing vor Gott und Chef und der Welt
Gott kennt Deine Vorlieben ohnehin. Dein Chef erfährt davon nur, wenn er die gleiche Veranstalltung besucht und die Welt interessiert sich nicht dafür.
 
 
Safe, Sane and Consensual (SSC)
Zu deutsch: Sicher, vernünftig und einvernehmlich.
Grundregel der sadomasochistischen Subkultur.
Safe, Sane Consensual sind das Credo eines jeden BDSM-Ler. Es führt kein Weg an diesen drei Begriffen vorbei und doch stellt sich für viele die Frage : "Was bedeuten sie eigendlich? "
 
Safe
bedeutet Sicher.
BDSM-Aktionen müssen sicher sein. BDSM-Aktionen müssen sicher sein.
Sicher heisst, das der Aktive im Rahmen der Aktion alles unternimmt so das evtl. Verletzungen nur derart sind das sie dem Passiven keinen ernsthaften, permanenten Schaden zufügen.
Sicher heisst demnach, das der Aktive im vollen Umfang weiss, was er tut. Juristisch ist der Aktive Part jederzeit Situationsbestimmend und somit voll haftent für alle aus einer Aktion entstehenden Schäden.
Ebenso erfordert es aber auch, das der Passive Part den Aktiven nicht in Situationen bringt, die der Aktive nicht beherschen kann oder in der dem Aktiven ein sicheres Handeln nicht möglich ist.
 
Sane
bedeutet Vernünftig.
Das Wort vernünftig bezieht sich auf die Ausführung der Handlung als solches. Das heisst, sie muss sich in einem Ramen bewegen, der der Vernunft entspricht. Also selbst wenn der Passive in der Aktion weitergehen will als für sein Wohlergehen gut währe muss der Aktive die Vernunft aufbringen, die Handlung nur bis zu einem vertretbaren Punkt vorzunehmen.
Vernunft ist sicher ein reletiver und sehr subjektiver Begriff. Ein Aussenstehender wird manche Vorgänge sicher nicht als vernünftig bezeichnen dennoch können die Handlungen rational und in sich schlüssig sein und mit Verstand ausgeführt werden.
 
 
Consensual
bedeutet Einvernehmlich,Zustimmend
Das heisst, eine Aktion ist nur so lange in Ordnung wie die Involvierten sie mittragen und ihre Zustimmung geben.
Und zwar nicht nur die Zustimmung zu der Aktion als solche sondern eine fortwährende Zustimmung.
Zustimmung bedeutet, dass niemand gegen seinen Willen zu tewas gezwungen werden darf und zu allen Aktionen aus freien Stücken "ja" sagen muss. Ein pauschales "ja" stellt keine Einwilligung in eine Einvernehmliche Aktion dar.
 
 
 
Save, Sane and Consensual stellt also keinen Freibrief für eine BDSM-Aktion als solche dar sondern die Verpflichtung zu immerwährender Komunikation aller Beteidigter sowie das Wissen über die Psyche  sowie die Auswirkungen der Aktion auf den menschlichen Körper.
Sorge und Wohlergehen des Passiven Part sind die wichtigsten Aufgaben des Aktiven.
Der Aktive ist stets juristisch Haftbar für die Aktion und aller daraus resultierender Schäden gegen den Passiven.

Im Januar 2008